Wer Nutzfahrzeuge gebraucht kaufen möchte, sollte nicht ausschließlich auf einen niedrigen Kaufpreis achten. Bei einem gebrauchten Transporter, Lkw oder anderen gewerblich genutzten Fahrzeugen sind technische Daten, Zustand, Fahrzeughistorie, zulässige Gewichte und die rechtlichen Rahmenbedingungen wichtige Faktoren. Ein sorgfältig ausgewähltes Fahrzeug kann eine praktische Lösung für Unternehmen, Handwerksbetriebe, Lieferdienste und andere gewerbliche Einsätze sein.
Der Begriff Nutzfahrzeuge gebraucht umfasst verschiedene Fahrzeugarten. Deshalb kommt es vor dem Kauf darauf an, genau zu bestimmen, welche Aufgabe das Fahrzeug erfüllen soll. Ebenso wichtig ist eine gründliche Prüfung vor der Vertragsunterzeichnung.
Was bedeutet Nutzfahrzeuge gebraucht?
Mit Nutzfahrzeuge gebraucht sind bereits zugelassene beziehungsweise zuvor genutzte Fahrzeuge gemeint, die für Transport-, Arbeits- oder andere gewerbliche Aufgaben eingesetzt werden können.
Dazu können je nach Fahrzeugart und Ausführung beispielsweise gehören:
- Transporter
- Kastenwagen
- Pritschenfahrzeuge
- Lastkraftwagen
- Sattelzugmaschinen
- Busse
- Fahrzeuge mit speziellen Aufbauten
- bestimmte Arbeits- und Kommunalfahrzeuge
Nutzfahrzeug ist dabei keine einzige einheitliche Fahrzeugklasse. Die konkrete Einstufung eines Fahrzeugs ergibt sich aus seinen technischen Merkmalen und den entsprechenden Fahrzeugpapieren. Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung enthält beispielsweise verschiedene Fahrzeugklassen und Regelungen zu technischen Eigenschaften und zulässigen Gewichten.
Warum gebrauchte Nutzfahrzeuge interessant sein können
Ein gebrauchtes Nutzfahrzeug kann für einen Betrieb interessant sein, wenn ein Fahrzeug für den täglichen Arbeitsablauf benötigt wird, aber ein Neufahrzeug nicht die gewünschte Lösung darstellt.
Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es Fahrzeuge mit unterschiedlichen Baujahren, Laufleistungen, Aufbauten und Ausstattungen. Dadurch kann ein Käufer gezielt nach einem Fahrzeug suchen, das zum jeweiligen Einsatz passt.
Allerdings sollte der Kaufpreis nicht isoliert betrachtet werden. Ein günstiges Fahrzeug kann beispielsweise einen höheren Wartungs- oder Reparaturbedarf haben. Deshalb sollte der gesamte Zustand des Fahrzeugs in die Kaufentscheidung einbezogen werden.
Vor dem Kauf den Einsatz bestimmen
Bevor man nach Nutzfahrzeuge gebraucht sucht, sollte klar sein, wofür das Fahrzeug benötigt wird.
Folgende Fragen sind hilfreich:
- Welche Waren oder Materialien werden transportiert?
- Wie schwer ist die übliche Ladung?
- Wie viel Laderaum wird benötigt?
- Wie viele Kilometer wird das Fahrzeug voraussichtlich fahren?
- Wird es täglich oder nur gelegentlich eingesetzt?
- Welche Nutzlast wird benötigt?
- Ist ein spezieller Aufbau erforderlich?
- Wird das Fahrzeug hauptsächlich im Stadtverkehr oder auf längeren Strecken eingesetzt?
Ein Fahrzeug sollte nicht nur nach Marke oder Preis ausgewählt werden. Es muss vor allem für die tatsächliche Arbeit geeignet sein.
Fahrzeug vor dem Kauf besichtigen
Ein wichtiger Grundsatz beim Gebrauchtwagenkauf lautet: Erst besichtigen, dann entscheiden.
Der ADAC empfiehlt, ein gebrauchtes Fahrzeug vor der Unterschrift zu besichtigen und eine Probefahrt durchzuführen. Auch mögliche Unfallschäden und die Fahrzeugunterlagen sollten geprüft werden.
Bei einem Nutzfahrzeug sollte die Besichtigung möglichst gründlich erfolgen. Neben der normalen Karosserie sollten auch die für den jeweiligen Einsatz wichtigen Bereiche untersucht werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Karosserie
- Türen und Scharniere
- Reifen
- Beleuchtung
- Bremsen
- Fahrwerk
- Motorraum
- Innenraum
- Laderaum
- Ladefläche
- Fahrzeugaufbau
- vorhandene Sonderausstattung
Starke Gebrauchsspuren sind nicht automatisch ein Grund, ein Fahrzeug abzulehnen. Entscheidend ist, ob der Zustand zum Alter, zur Laufleistung und zum Preis passt.
Kilometerstand richtig beurteilen
Der Kilometerstand ist eine wichtige Information, sollte aber nicht allein über den Kauf entscheiden.
Ein Fahrzeug mit hoher Laufleistung kann bei guter Wartung durchaus interessant sein. Umgekehrt garantiert eine geringe Laufleistung nicht automatisch einen hervorragenden Zustand.
Deshalb sollte möglichst geprüft werden, ob die angegebene Laufleistung nachvollziehbar ist. Wartungsunterlagen, Rechnungen und andere vorhandene Fahrzeugdokumente können dabei hilfreich sein.
Auch Hinweise auf mögliche Manipulationen sollten ernst genommen werden. Der ADAC weist beim Gebrauchtwagenkauf ausdrücklich auf die Gefahr eines manipulierten Tachos und fehlender oder gefälschter Papiere hin.
Wartung und Reparaturen prüfen
Bei Nutzfahrzeuge gebraucht ist die Wartungshistorie besonders interessant, weil gewerblich eingesetzte Fahrzeuge je nach Einsatz stark beansprucht werden können.
Käufer sollten deshalb nach vorhandenen Wartungs- und Reparaturnachweisen fragen. Wichtig kann beispielsweise sein, ob regelmäßige Wartungen durchgeführt wurden und ob größere Reparaturen bereits erfolgt sind.
Eine nachvollziehbare Fahrzeughistorie macht es leichter, den Zustand des Fahrzeugs einzuschätzen.
Fehlen wichtige Unterlagen, sollte der Käufer nach dem Grund fragen und die Angaben des Verkäufers entsprechend vorsichtig bewerten.
Unfallschäden und andere Schäden
Vor dem Kauf sollte ausdrücklich geklärt werden, ob das Fahrzeug bereits einen Unfall hatte oder andere erhebliche Schäden aufweist.
Ein früherer Schaden bedeutet nicht automatisch, dass das Fahrzeug nicht mehr gekauft werden sollte. Entscheidend sind unter anderem Umfang des Schadens und Qualität der Reparatur.
Der ADAC empfiehlt, beim Gebrauchtwagenkauf nach Unfallschäden zu fragen und das Fahrzeug sorgfältig zu überprüfen.
Bei Zweifeln kann eine unabhängige technische Untersuchung sinnvoll sein.
Fahrzeugpapiere und FIN kontrollieren
Vor dem Kauf sollten die Fahrzeugunterlagen sorgfältig geprüft werden.
Besonders wichtig ist die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Die Angaben am Fahrzeug sollten mit den entsprechenden Unterlagen übereinstimmen.
Auch technische Daten, zulässige Gewichte und weitere relevante Angaben sollten kontrolliert werden.
Wenn Fahrzeug und Unterlagen nicht zusammenpassen oder wichtige Dokumente fehlen, sollte der Käufer die Situation vor einer Vertragsunterzeichnung klären.
Nutzlast und zulässiges Gesamtgewicht
Bei Nutzfahrzeugen spielt das Gewicht eine zentrale Rolle. Entscheidend ist nicht nur, wie groß der Laderaum ist, sondern auch, welche Gewichte für das konkrete Fahrzeug zulässig sind.
Die StVZO enthält Regelungen zu Achslasten und zulässigem Gesamtgewicht. Diese Grenzen müssen beim Betrieb des Fahrzeugs eingehalten werden.
Deshalb sollten Käufer vor dem Kauf prüfen, ob die zulässigen Gewichte für den geplanten Einsatz ausreichen.
Wer regelmäßig schwere Ladungen transportiert, sollte diesen Punkt besonders sorgfältig prüfen.
Hauptuntersuchung beachten
Auch die Hauptuntersuchung sollte bei einem gebrauchten Nutzfahrzeug berücksichtigt werden.
Die vorgeschriebenen Untersuchungsintervalle können abhängig von Fahrzeugart und zulässiger Gesamtmasse unterschiedlich sein. Die StVZO enthält hierzu konkrete Regelungen, unter anderem für bestimmte zur Güterbeförderung bestimmte Kraftfahrzeuge.
Deshalb sollte nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass für jedes Nutzfahrzeug dasselbe HU-Intervall gilt.
Vor dem Kauf sollte geprüft werden, wann die nächste Untersuchung fällig ist und welche Angaben in den Fahrzeugunterlagen beziehungsweise Nachweisen stehen.
Probefahrt durchführen
Eine Probefahrt ist ein wichtiger Bestandteil der Kaufprüfung.
Während der Fahrt sollte unter anderem darauf geachtet werden, ob:
- der Motor gleichmäßig läuft,
- das Getriebe normal arbeitet,
- die Bremsen auffällig reagieren,
- die Lenkung ungewöhnliche Geräusche macht,
- Vibrationen auftreten,
- Warnleuchten erscheinen,
- das Fahrzeug ungewöhnliche Geräusche entwickelt.
Der ADAC empfiehlt eine Probefahrt vor dem Kauf und weist darauf hin, dass vor einer Probefahrt auch die Haftungsfrage geklärt werden sollte.
Bei einem größeren oder technisch komplexeren Nutzfahrzeug kann eine professionelle Prüfung zusätzlichen Nutzen bieten.
Händler oder Privatverkäufer?
Beim Kauf Nutzfahrzeuge gebraucht sollte auch darauf geachtet werden, wer der Verkäufer ist.
Ein Kauf zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer fällt grundsätzlich unter die Regeln des Verbrauchsgüterkaufs nach § 474 BGB.
Bei gebrauchten Waren kann die Verjährungsfrist für bestimmte Mängelansprüche unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf mindestens ein Jahr verkürzt werden. Dafür gelten allerdings besondere Voraussetzungen, unter anderem eine ausdrückliche und gesonderte Vereinbarung sowie eine vorherige Information des Verbrauchers. Das ergibt sich aus § 476 BGB.
Deshalb sollte man bei rechtlichen Fragen nicht pauschal von einem allgemeinen Haftungsausschluss ausgehen. Entscheidend sind unter anderem die Vertragsparteien, der Vertrag und der konkrete Einzelfall.
Kaufvertrag sorgfältig prüfen
Vor der Unterschrift sollten alle wichtigen Angaben im Kaufvertrag kontrolliert werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Fahrzeugdaten
- Kilometerstand
- Kaufpreis
- bekannte Schäden
- vereinbarte Ausstattung
- Zubehör
- besondere Zusagen
- Übergabedaten
Mündliche Zusagen sollten möglichst schriftlich festgehalten werden.
Der ADAC empfiehlt außerdem, einen gebrauchten Wagen vor der Unterschrift technisch überprüfen zu lassen und wichtige Auffälligkeiten zu dokumentieren.
Welche Kosten entstehen nach dem Kauf?
Der Kaufpreis ist nicht die einzige finanzielle Belastung.
Je nach Fahrzeug können zusätzliche Kosten entstehen, beispielsweise für:
- Kraftstoff oder Energie
- Versicherung
- Steuern
- Wartung
- Reparaturen
- Reifen
- Hauptuntersuchungen
- Finanzierung
- spezielle Aufbauten oder Ausrüstung
Bei einem gewerblich genutzten Fahrzeug können außerdem Kosten entstehen, wenn das Fahrzeug wegen einer Reparatur nicht eingesetzt werden kann.
Deshalb sollte nicht nur der Anschaffungspreis, sondern möglichst die gesamte wirtschaftliche Nutzung betrachtet werden.
Häufige Fehler beim Kauf
Nur nach dem günstigsten Preis suchen
Das billigste Fahrzeug ist nicht automatisch das wirtschaftlichste Angebot.
Keine Probefahrt machen
Ohne Probefahrt können bestimmte Auffälligkeiten unentdeckt bleiben.
Fahrzeughistorie ignorieren
Eine fehlende oder unklare Historie sollte nicht einfach übergangen werden.
Nutzlast nicht prüfen
Ein Fahrzeug muss die für den vorgesehenen Einsatz benötigten Gewichte tatsächlich abdecken.
Vertrag nicht genau lesen
Alle wichtigen Vereinbarungen sollten vor der Unterschrift verstanden und dokumentiert werden.
Sich unter Druck setzen lassen
Ein seriöser Kauf sollte ausreichend Zeit für Besichtigung, Prüfung und Fragen lassen. Auch der ADAC empfiehlt, sich beim Gebrauchtwagenkauf nicht unter Druck setzen zu lassen.
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Fazit: Nutzfahrzeuge gebraucht sorgfältig auswählen
Nutzfahrzeuge gebraucht können für viele Unternehmen und Gewerbetreibende eine praktische Möglichkeit sein, den eigenen Fuhrpark zu erweitern oder ein benötigtes Arbeitsfahrzeug anzuschaffen.
Entscheidend ist jedoch nicht nur der Preis. Käufer sollten den technischen Zustand, Kilometerstand, Wartungshistorie, mögliche Schäden, Fahrzeugpapiere, FIN, HU und zulässige Gewichte sorgfältig prüfen.
Auch die rechtliche Situation sollte berücksichtigt werden, insbesondere wenn ein Fahrzeug von einem gewerblichen Händler gekauft wird.
Wer das Fahrzeug vor dem Kauf besichtigt, eine Probefahrt durchführt, die Unterlagen kontrolliert und den Vertrag sorgfältig liest, kann viele typische Probleme vermeiden.
Häufig gestellte Fragen zu Nutzfahrzeuge gebraucht
Was sind Nutzfahrzeuge?
Nutzfahrzeuge sind Fahrzeuge, die unter anderem für den Transport, gewerbliche Aufgaben oder bestimmte Arbeitszwecke eingesetzt werden. Die konkrete Fahrzeugklasse und technische Einordnung hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab.
Was bedeutet Nutzfahrzeuge gebraucht?
Der Suchbegriff Nutzfahrzeuge gebraucht bezeichnet gebrauchte Nutzfahrzeuge, die beispielsweise als Transporter, Lkw oder mit speziellen Aufbauten angeboten werden.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Besonders wichtig sind Fahrzeugzustand, Kilometerstand, Wartungshistorie, mögliche Unfallschäden, Fahrzeugpapiere, FIN, HU sowie die zulässigen Gewichte.
Ist ein hoher Kilometerstand automatisch schlecht?
Nein. Der Kilometerstand sollte zusammen mit Wartung, Alter, Nutzung und technischem Zustand betrachtet werden.
Warum ist die Nutzlast wichtig?
Die Nutzlast muss zum geplanten Transport passen. Außerdem müssen die für das Fahrzeug geltenden zulässigen Gewichte eingehalten werden.
Sollte man ein gebrauchtes Nutzfahrzeug Probe fahren?
Ja. Eine Probefahrt kann wichtige Hinweise auf das Fahrverhalten und mögliche technische Auffälligkeiten geben. Der ADAC empfiehlt eine Probefahrt vor dem Kauf.
Was ist bei einem Händlerkauf zu beachten?
Wenn ein Verbraucher ein gebrauchtes Fahrzeug von einem Unternehmer kauft, gelten die Regeln des Verbrauchsgüterkaufs. Bei gebrauchten Waren gelten für eine mögliche Verkürzung der Verjährungsfrist besondere gesetzliche Voraussetzungen.
Ist ein Privatkauf rechtlich gleich wie ein Händlerkauf?
Nein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen können sich erheblich unterscheiden. Deshalb sollte der konkrete Kaufvertrag genau geprüft werden.
Sollte man ein gebrauchtes Nutzfahrzeug professionell prüfen lassen?
Bei einem teuren Fahrzeug oder bei Zweifeln am Zustand kann eine unabhängige technische Untersuchung eine sinnvolle zusätzliche Absicherung sein.
Was ist der wichtigste Tipp?
Nicht nur auf den Preis schauen. Ein gutes gebrauchtes Nutzfahrzeug sollte technisch zum Einsatz passen, eine nachvollziehbare Historie haben und vor dem Kauf gründlich geprüft werden.
Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen für den Kauf gebrauchter Nutzfahrzeuge in Deutschland. Er ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Fahrzeugberatung.

